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Weblog: Zentraler Baustein jeder Social-Web-Strategie

Aktuell beobachte ich ein wachsendes Interesse an Weblogs, vor allem in der “Breite”, bei Nicht-IT-Berufen.

Bei einem Networking-Event traf ich vor ein paar Tagen einen Webmaster, der seinen Kunden Webseiten mit WordPress als CMS baut und der überschwänglich eben jenen das Bloggen empfiehlt. Und sich freut, dass er mich als Blogcoach weiterempfehlen kann. Kaum bin ich zu Hause finde ich eine Notiz vor, dass der Chef des lokalen Biobauernhofs, von dem unsere wöchentliche Gemüsekiste stammt, gern eine Beratung von mir wegen eines Weblogs hätte. Wenn man “Biobauernhof” und “Weblog” in Kombi googelt, dann findet man in der Tat noch nicht viel. Schönes Projekt.

Ob man denn dank Facebook und Twitter jetzt auf das Bloggen verzichten könnte, wurde ich vor einiger Zeit in einem Interview gefragt. Meine Rückfrage: “Ja, wo wollen Sie denn nachhaltig Content pflegen und die Gespräche mit ihren Interessenten, Partnern und Kunden führen? In Twitter oder Facebook, wo Sie kaum etwas finden, das älter als drei Wochen ist?”

Jeder Schnipsel Content, der ihre Kompetenz zeigt oder erzählt was Sie so tun, ist verloren, wenn er (nur) in das Live Web “gekippt” wird. Twitter und Facebook dienen nur dazu, um live auf den Schnipsel hinzuweisen, aber der “Long Tail” des Content – also die Möglichkleit, dass jemand Ihre Inhalte langfristig bei einer Suchmaschine findet, auch wenn er ein Nischeninteresse hat- ist dort zerstört. In ein Blog eingefüllt aber wirkt ein Fachartikel noch Jahre und zieht interessierte Besucher an, die sich mit einem Klick auf ‘Kontakt’ mit Ihnen in Verbindung setzen können. Die meisten Einzeltreffer – außer bei aktuellen Artikeln – gehen bei mir auf Blogartikel, die teilweise drei Jahre alt sind.

Wer nur twittert und facebookt, nutzt nur einen Bruchteil des Potentials seiner Inhalte und spricht dadurch auch nur einen Bruchteil der möglichen Adressaten an. Twitter nutzen nur rund 6%, Facebook immerhin rund 10% der deutschen Bevölkerung. Aber Suchmaschinen benutzen annähernd 100% der Menschen mit Internetanschluss. Erst mit einem Blog, das im Zentrum des Gespinstes sitzt, wird ein Schuh daraus. Und das scheint sich inzwischen rumgesprochen zu haben.

Oliver Gassner Über den Autor:
Oliver Gassner berät, schult, schreibt und coacht zur Nutzung von Weblogs, XING, Facebook Twitter & Co und zum stressreduzierenden Selbstmanagement für Wissensarbeiter.


  1. Thorsten Ulmer (Reply) on Dienstag, 15.06.2010

    Vollkommen korrekt. Die vergleichsweise kurze Auffindbarkeit an Content ist ein Problem. Ein Problem bei Blogs ist die Zeitintensität. Eine 140-Zeichen-Nachricht ist schnell geschrieben. Ein nachhaltiger und fundierter Blog-Post benötigt ein bis zwei Stunden. Diesen Aufwand scheuen Firmen oft noch. Nach dem Motto: “Wann sollen wir das denn noch tun, wir haben doch eh keine Zeit.”

  2. OliverG (Reply) on Dienstag, 15.06.2010

    Im Radio laufen nicht nur 3stündige Opern oder abendfüllende Hörexperimente, im der Zeitung stehen nicht nur fünfspaltige Undercoverreportagen. Will sagen: Ein Blog ist ein Logbuch. Mal ist lange und komplexe Gedankengänge zu ‘loggen’ mal nur der Fund eines guten Artikels anderswo.

    Wenn man in der woche 3 Kurze notizen bloggt und alle zwei Wochen sich mal echte arbeit macht für etwas, das man ‘sowieso mal klären’ wollte, dann genügt das vollkommen.

    Ich betrachte auch ein Blog nicht als ‘extzra Arvbeit’ sondern als ein Medium, das ich zum Arbeiten benutze, so wie ein Schreibblock, ein Telefon oder eine Kalender.

    Mein Blog ist ein Werkzeug, in das ich Gedanken und Funde notiere und in dem ich mal kurze und mal längere Gedanken kläre – und das beides im Dialog mit meinen ‘peers’.

    Ich wüsste nicht, wie man heute ohne ein Werkzeug auskommen könnte, das so etwas tut.

  3. Thorsten Ulmer (Reply) on Dienstag, 15.06.2010

    Na ja… daher schrob ich ja auch nicht von Dir, sondern von Unternehmen… Meine Erfahrung ist eher, dass der Aufwand noch etwas gescheut wird, da er ja neu und “on top” kommt.

  4. [...] Ist Bloggen aufwändig? Meine Replik auf das Zeitargumnent: "Im Radio laufen nicht nur 3stündige Opern oder abendfüllende Hörexperimente, im der Zeitung stehen nicht nur fünfspaltige Undercoverreportagen. Will sagen: Ein Blog ist ein Logbuch. Mal ist lange und komplexe Gedankengänge zu 'loggen' mal nur der Fund eines guten Artikels anderswo. [...]

  5. Tim Blotzki (Reply) on Dienstag, 15.06.2010

    Ich frage mich ob bloggen ein rückwärts schritt meiner Gedanken sind,
    und die freie entfaltung meiner Gedanken blocken.
    Nur der Glaube an mich bringt mich weiter und durch die überzeugungskraft
    durch mich selbst.

  6. OliverG (Reply) on Dienstag, 15.06.2010

    Nun, ein Blog zwingt dazu, Gedanken (oder den Glauben an sich selbst ;) ) konkret zu formulieren. Insofern trägt es die Gedanken nach vorn UND zu dir selbst. Phiolosophisch ausgedrückt ;) Oder anders: ein Blog zwingt dich dazu eine Überzeugung nicht nur (diffus) zu ‘haben’ sondern sie auch in Forum zu bringen.

  7. Mcarla (Reply) on Dienstag, 15.06.2010

    Hallo Oliver,

    ich kann dir da nur aus vollem Herzen zustimmen. Eine Social Media Strategie kann nie nur ein einziges Werkzeug beinhalten. Nach meiner Meinung gehören heute zum minimalen guten Ton:
    Blog, Twitter, Fcaebook und Youtube.
    Mit diesen vier kann ich das Social Media Prinzip Zuhören – Antworten – Mitmachen, optimal umsetzen.

    Beste Grüße

    Mario Carla

  8. Nicole Bangert (Reply) on Dienstag, 15.06.2010

    Konkurrenzlos und ungeschlagen – super Seite! Bitte immer so weiter machen und nicht aufhören!